Weil ich geweint habe – die ganze Nacht oder: Als Ruth Elias ihrem Schicksal verzieh

Sylvia Kling - Literatur und Humanismus

In Memorien of Ruth Elias

1944 – Konzentrationslager Auschwitz

Auf langem Tisch in düsterkalter Halle,
weitab vom Lagergeschehen,
wie ein Tier im vergessnen Stalle –
dort lag sie in den Wehen.

Kein warmes Wasser, kein sauberes Tuch,
auf kaltem, hartem Brett,
weit weg von der Liebe, nahe dem Fluch,
auf dem Hemd das Judenetikett.

Sie gebar ein Mädchen groß und schön,
gesund trotz der quälenden Zeit,
selbst im Dunklen wars rosig anzusehen,
rein – und zum Leben bereit.

«Die Brust wird sofort abgeklebt!»
Josef Mengele schrie seinen Willen,
《Ich will wissen, wie lang es ungenährt lebt.
Sie darf das Kind nicht stillen.»

Das Baby schrie hungernd Tag und Nacht,
von ihrer Suppe sie heimlich ihm reichte,
streute Brotkrumen ein – wohlbedacht,
doch nicht den Hunger des Kindes begleichte.

Die Brüste entzündet, das Fieber stieg
und das Baby schrie sich puterrot,
ohne Windeln, in diesem Auschwitzkrieg,
lag es im eigenen Kot.

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