„Die Geschwinde“ und: Ich habe vor 17 Jahren eine Tür geöffnet, die nie wieder zugefallen ist.

Sylvia Kling - Literatur

Die Geschwinde

Die Jahre verstreichen
und mein Haar ergraut
und die ersten Zeichen
des Alterns auf der Haut,

da erinner ich mich leise
an meine Kinderzeit
und in Gedanken reise
zurück, jahrzehnteweit,

sehe mein zartes Gesicht,
die glänzenden Wangen,
ein Gleichgewicht
zwischen Träumen und Bangen,

Blitze, übermütig hell
in den Augen, so braun,
und wie sportlich schnell
sprang ich übern Gartenzaun,

die trauernden Stunden
in der tristen Kammer,
die Kummerrunden,
erstes Liebesgejammer,

wie gern würde ich geben
dem Mädchen die Hand,
ihr erzählen vom Leben,
vom Verlust und Bestand,

was mir ist begegnet
in all den Jahren,
obwohl zur Taufe gesegnet,
um sie zu bewahren,

wie sehr Erinnern heute
mich glücklich macht und hält,
weil ich das Leben deute,
es nicht an mir zerfällt,

so flüstere ich dem Kind
ins kleine Ohr hinein:
Die Zeit, sie ist geschwind,
doch sie ist dein. Und mein.

Copyright Sylvia Kling

Das Kopieren und…

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